Psychro: Bleibt Zeus-Höhle auch 2026 geschlossen?

Veröffentlicht am 21. Februar 2026 um 10:45

Die als Geburtsort des Göttervaters Zeus bekannte Höhle bei Psychro in Ostkreta ist bereits seit September 2024 für Sanierungsarbeiten geschlossen. Der aktuelle Stand der Bauarbeiten ist unklar, eigentlich sollte der einzige Besuchermagnet des Lassithi-Plateaus nur ein Jahr schließen. Doch die Wiedereröffnung für Besucher scheint noch in weiter Ferne. Besonders das millionenschwere Bauvorhaben eines Aufzugs, dessen Realisierung noch gar nicht begonnen hat, scheint zweifelhaft. Oppositionelle PASOK-Politikerinnen kritisieren mangelnde Transparenz und Kontrolle der Bauplanung...

Auch Küstenstädte auf Kreta sind Erdbeben gewohnt

Die Zeus-Höhle von Psychro hat seit September 2024 keinen Besucher mehr gesehen  ©Kretaplan

 

Die Esel am Diktéon Ántron sollten arbeitslos werden. Jene gutmütigen, ja stoischen Esel, die besonders Kindern den ansonsten durchaus schweißtreibenden, wenn auch kurzen Aufstieg vom Europaplatz in Psychro hoch zum Eingang der Diktäischen Höhle erleichtert haben. Das Kulturministerium unter Ministerin Lina Mendoni wollte die Gelegenheit von notwendigen Sanierungsarbeiten an der beliebten Tropfsteinhöhle nutzen, um die Sehenswürdigkeit am Rande der fruchtbaren Lasithi-Hochebene zugänglicher zu gestalten und einen rund 250 Meter langen, 70 Höhenmeter überbrückenden Hangaufzug auf Schienen für 10.4 Millionen Euro zu installieren. Doch deutlich über einem Jahr nach Beginn der baulichen Maßnahmen hat die Installation des Aufzugs noch gar nicht begonnen, der planmäßig bereits im März 2026 fertiggestellt sein sollte. Oppositionelle PASOK-Abgeordnete aus Lassithi fordern nun Aufklärung.

Die Diktäische Höhle: Sehenswert – aber auch kulturell wertvoll?

Die Diktäische Höhle von Psychro gilt als einzige wirkliche Sehenswürdigkeit über die Lassithi-Hochebene hinaus, die neben ihrer landschaftlichen Schönheit lediglich etwas verbliebene Landwirtschaft und mit ihren vielen Windmühlen zur Bewässerung ein Zeugnis zurückliegender Ingeniuerskunst darstellt. Die Tropfsteinhöhle selbst ist im vergangenen Jahr auf Grund ihrer Besucherzahlen in die Kategorie C (Sehenswürdigkeiten mit 75.000 - 200.000 Besuchern im Jahr) eingeteilt worden, was eine bereits kritisierte, drastische Erhöhung der Eintrittspreise von 6 auf 15 Euro pro Person zur Folge hatte. Zwar wurden in der grün schimmernden Tropfsteinhöhle zahlreiche Artefakte der früh-minoischen Kultur gefunden, allerdings werden vor Ort keinerlei archäologische Funde gezeigt. Denn sämtliche Artefakte sind mittlerweile anderswo zu besichtigen, etwa in den Archäologischen Museen in Agios Nikolaos und Heraklion sowie im Pariser Louvre und dem British Museum in London. Dennoch hat sich um die mythische Höhle eine Ansammlung touristischer Infrastruktur inklusive Themenpark zur griechischen Mythologie gruppiert, die nun schon seit über einem Jahr mit ausbleibenden Besuchern zu kämpfen hat. Selbst für Tavernen an den Zufahrtsstraßen zur Hochebene ist die Schließung der Höhle und der damit merklich ausbleibende Touristenverkehr existenzbedrohend.

Kommen keine Besucher, sind nicht nur die Esel von Arbeitslosigkeit bedroht. Die Höhle, ein Wirtschaftsfaktor der Region  ©Kretaplan

Opposition verlangt Aufklärung über Stand der Bauarbeiten

In der parlamentarischen Anfrage der Lassithi-Abgeordneten und Kulturpolitikerinnen Katerina Spyridaki und Nagia Grigorakou wird die finanzielle Bedeutung der Hänge des Diktéon Ántron für die gesamte Region unterstrichen. Die Eintrittsgelder sind die zweithöchsten hinter der Leprainsel Spinalonga vor Elounda. Doch durch mangelnde Planung und Kontrolle der Bautätigkeit sei ein Abschluss der geplanten Arbeiten, die sich in mehrere Bauabschnitte gliedern, noch gar nicht abzusehen. Neben Sicherungsarbeiten an den Berghängen und einer Neugestaltung des Höhleneingangs gehören auch Bohrarbeiten im Inneren der Höhle, neue Beleuchtung sowie das bereits genannte Aufzugsystem zu den Teilprojekten. Kritisiert wird dabei die mangelnde technische Koordination, da die Restaurierung der Stalagmiten & Stalaktiten bereits abgeschlossen sein soll, umfassende Bohrarbeiten an den Tropfsteinformationen aber noch ausstehen. Auch sollen die Bauarbeiten für den Aufzug, geplante Fertigstellung im März 2026, noch gar nicht begonnen haben. Laut Ministerium seien bereits nahezu alle anderen Arbeiten mit einer Zahlung von knapp 900.000 Euro ohne Mehrwertsteuer beglichen, was ebenfalls angesichts des schleppenden Baufortschritts als vorschnell bemängelt wird.

Vielleicht wirklich keine gute Idee, denkt man nur an den im letzten Sommer bekannt gewordenen Skandal um 1.610 Kubikmeter Beton für 4.025 Meter Landstraße in Kavousi, die von der EU im Rahmen des Programms »Ländliche Entwicklung Griechenlands 2014-2020« mit 461.296,72 Euro finanziert wurden – und spurlos verschwunden sind. Baustellen in der kretischen Provinz benötigen scheinbar etwas mehr Aufsicht. Das gilt wohl auch für die Lassithi-Hochebene, wohin sich besonders im Winter kaum jemand freiwillig verirrt.

Rampen in Sicht? Noch kein Licht am Ende des Tunnels: Undurchsichtiger Stand der Bauarbeiten in der Diktäischen Höhle  ©Kretaplan

Nutzen eines Aufzugs am Diktéon Ántron

Der für 10.4 Millionen Euro geplante Aufzug vom Europaplatz hinauf zum Höhleneingang nun soll über den Resilienz- und Wiederaufbaufonds finanziert werden, den die Europäische Union 2021 als Reaktion auf die wirtschaftlichen Folgen der Covid-Pandemie aufgelegt hatte. Doch der Fluss der EU-Milliarden wird wohl generell 2026 auslaufen, weitere eventuelle Zahlungen sind dann an tatsächliche (Bau-)Fortschritte der jeweiligen Vorhaben gebunden.

Zudem soll es im Fall der kretischen Tropfsteinhöhle laut der aktuellen opositionellen Kritik keinerlei Umweltverträglichkeitsstudie für ein solches Bauvorhaben geben. Zwar stimmt faktisch, dass nahezu in jeder Google-"Rezension" der anstrengende Aufstieg über den befestigten Bergpfad bemängelt wird, der zumindest auf Grund der Serpentinenrampen rollstuhlgängig ist – während die zahlreichen steilen und engen Treppen hinter dem felsigen Zugang in der Höhle selbst bislang ein unüberwindbares Hindernis darstellen. Ob ein Aufzug für solch einen Ort wirklich durchdacht ist? Denn ohne massive bauliche Eingriffe in "ein Denkmal von besonderem archäologischen, kulturellen und mythologischen Wert für Kreta und das ganze Land" – festgestellt von der Abgeordneten Spyridaki in ihrer Funktion als Leiterin der Tourismusbehörde Lassithis – wäre das Ergebnis lediglich eine sehr teure Aussicht über die flachen Felder von Lassithi.

Unruhige Zeiten, auch in der Ägäis

Ist die Aussicht von der Diktäischen Höhle über die Lassithi-Hochebene wirklich 10.4 Millionen wert?   ©Kretaplan

 

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