Bislang gilt Kreta als beliebtes Sommerreiseziel, in den Wintermonaten schließen traditionell fast alle Hotels, nicht wenige kretische Ferienorte wirken dann verlassen wie Geisterstädte. Doch die vielfältige Ägäis-Insel entwickelt sich langsam zu einem Ziel, das auch im Winter gut mit Linienflügen zu erreichen und eine entspannte Reise wert ist. Doch wie sieht es mit der winterlichen Infrastruktur aus, welche Geschäfte haben geöffnet – und findet man überhaupt Tavernen in der dunklen Jahreszeit?
Kreta im Winter: Manchmal wie ausgestorben, aber dafür viel Platz und Ruhe. Wie am Hafen von Ierapetra ©Kretaplan
Im Herbst endet Kreta. Zuverlässig Ende Oktober werden die Sonnenschirme und Liegen abgeräumt, Hotelleuchtreklamen wetterfest verschnürt und die Pools abgelassen. Die Mitarbeiter fahren nach Hause in ihre kretischen Bergdörfer oder nordgriechischen Heimatorte, und streunende Katzen übernehmen die einsame Patrouille an verlassenen Stränden. So oder ähnlich sieht es im Spätherbst an allen kretischen Küsten aus, wenn der Tourismus scheinbar weiterzieht in echte Winterdestinationen und die Mittelmeerinsel sich selbst überlässt – und den Menschen, die hier wirklich leben. Doch die rund 630.000 ständigen Bewohner Kretas wollen auch in der Wintersaison, traditionell mit der Abwesenheit der Touristen definiert, manchmal Einkaufen, Kaffetrinken und Essengehen. Tatsächlich nicht immer ganz einfach, doch bei näherem Hinsehen und etwas Planung durchaus und entspannt möglich.
Kretische Öffnungszeiten: wie ein Lottospiel
Tatsächlich zeichnen sich viele erfolgreiche Lokale dadurch aus, dass sie auch ohne Winterstarre auskommen, da sie nicht (nur) auf Touristen als dankbare Kundschaft aus sind, sondern auch der einheimischen Bevölkerung dienen. Doch auch solche Hotels, Cafes, Tavernen, und Geschäfte sind letztlich auf Mehreinnahmen aus dem Tourismus angewiesen und beschränken ihre Öffnungszeiten in den Wintermonaten auf Kreta mitunter stark. Haben viele Unternehmen mit Kundenkontakt im Sommer von 8 bis 22 Uhr geöffnet, werden in den Wintermonaten häufig die Öffnungszeiten am Morgen und Abend um eine Stunde reduziert. So steht man mitunter vor verschlossenen Türen, was für Ortsfremde in Zusammenhamg mit den ohnehin manchmal eigenwilligen Öffnungszeiten schon verwirren kann.
Nicht nur touristische Zentren Kretas, sondern viele kretische Einrichtungen halten Winterschlaf ©Kretaplan
Denn viele Geschäfte öffnen eigentlich regulär Montag und Mittwoch von 9 bis 15:00 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 14:00 Uhr und 17:00 bis 21:00 Uhr sowie Samstags von 9 bis 15:00 Uhr. Oftmals ist es aber nicht mehr die Müdigkeit vor dem ausdgedehnten Nachmittagsschläfchen, die die Ladeninhaber in die eine längere Nachmittagspause abdrängt, sondern vielmehr die Notwendigkeit der Doppelversorger, den Nachwuchs vom KIndergarten oder der Schule abzuholen und der Nachmittagsbetreuung zuzuführen. Sicher auch im Winter für die Motivation nicht ganz einfach, ab 17 Uhr, wenn es schon wieder dunkel wird, zur zweiten Hälfte des Arbeitstages aufzubrechen. Oft werden auch in den Wintermonaten Renovierungen angesetzt, Inventuren gemacht, Jahresurlaube genommen und bei der traditionell im Winter stattfindenden Olivenernte geholfen. Dann ist eben bis auf Weiteres zu.
Winterliche Ruhezeiten von Restaurants und Tavernen
Wer auf Kreta lebt und im glücklicherweise kürzesten Monat des Jahres eine Feier plant oder auch nur auswärts Essen möchte, hat es mitunter schwer. Der Februar gilt nach der Inventursaison im Januar als "totester" Monat des Jahres, was nicht nur daran liegt, dass er mit seinem vielen Regen, Stürmen und kühlen Temperaturen eher unbeliebt ist. Auch werden im Januar und Februar oft Renovierungsarbeiten vorgenommen, da die Handwerker in März und April meist schon wieder auf Baustellen in den großen Hotels benötigt werden, um die kommende Tourismussaison baulich vorzubereiten. So legen die wenigen Restaurants und Dorftavernen, die auch in den Wintermonaten betrieben werden, häufig im Februar eine mehrwöchige Betriebspause ein. Auch die Angaben der Öffnungszeiten bei Google Maps und anderen Auskunftsdiensten sind dann keineswegs immer aktuell gehalten und verlässlich. Glücklich also, wer nicht allzu weit von einer urbaneren Region entfernt lebt, wo die Wahrscheinlichkeit deutlich größer ist, ein geöffnetes Lokal vorzufinden – oder auch nur einen Supermarkt in Betrieb.
Kleine Seidlungen in touristischen Gebieten wie Georgiopouli sind im Winter eher ausgestorben ©Kretaplan
Supermärkte als Rückgrat der griechischen Versorgung
Als sich die Standbetreiber der griechischen Wochenmärkte Anfang des Jahres den anhaltenden Bauernprotesten anschlossen, um per Streik für erträglichere Betriebskosten und faire Besteuerung zu protestieren, war die Versorgung der Bevölkerung mit preiswerten frischen Lebensmitteln kurzzeitig unter Druck geraten. Denn die lokalen Wochenmärkte sind wie mittlerweile in vielen deutschen Städten nicht nur Luxus für die urbane Mittelschicht, sondern dienen als stabiler Pfeiler der griechischen Grundversorgung, neben inhabergeführten kleinen Ecksupermärkten in der Nachbarschaft und größeren, überregionalen Supermarktketten. Und Lidl. Der deutschstämmige Discount-Supermarkt hat als einziger den Schritt auf den griechischen Markt gewagt und ist mittlerweile so etabliert, dass er bereits die Standards für die ganze Branche setzt. Auf Lidls Sonntagsöffung zogen einige überregionale Supermarktketten nach, während einige kleinere inhabergeführte "Supermärkte" ohnehin immer dann geöffnet haben, wenn der Besitzer Zeit und Lust hat, in der Hochsaison auch schon mal täglich.
Winterflugplan wird langsam nach Norden erweitert
Als erste Fluggesellschaft hatte Aegean Airlines im vergangenen Herbst angekündigt, den Linienflugplan 2025/26 um regelmäßige Non-Stop-Verbindungen von München nach Heraklion zu ergänzen. Bislang hatten Airlines angesichts der Winterruhe der kretischen Hotels, ja eines Großteils der touristischen Infrastruktur, eine solche Ausweitung der Direktverbindungen vermieden. Es bleibt abzuwarten, wie gut das Angebot angenommen wird und ob andere Anbieter wie etwas Discover Airlines mit ihren ähnlichen Verbindungen erfolgreich sein werden. Die Frequenz der Winterdirektflüge von Aegean soll jedenfalls abhängig von der Auslastung angepasst werden. Vielleicht ist es auch nur ein Testballon im Sinne des 2018 verstorbenen Airline-Gründers Theodoros Vassilakis, der neben einigen anderen kretischen Mobilitätsunternehmen auch den Crete Golf Club gründete: den einzigen vollwertigen Golfclub der Insel, der allerdings außerhalb der Sommersaison auch nur eingeschränkt in Betrieb ist – und im Winter, wie kann es anders sein, umgebaut wird.
Alles, was nur für Touristen da ist, schließt im Winter auf Kreta ©Kretaplan
Was hat noch in Kretas Winter offen und was nicht?
- Strände: sind immer und für jedermann per Gesetz zugänglich, im Winter auch für Hunde
- Das Cretaquarium: hat 365 Tage im Jahr ab 9:30 geöffnet, schließt aber im Winter bereits um 16:00 Uhr
- Der Amazonas Park Crete: hält Winterschlaf bis zum 01. April
- Alle Wasserparks, da meist an Hotels angeschlossen, schließen ebenfalls im Winter
- Viele Bergdörfer, z.B. der Lassithi-Hochebene oder auch Richtung Katharo, sind im Winter wie ausgestorben
- Lokale Auto-, Roller- und Quadvermietungen sind außerhalb der Tourismussaison geschlossen
- Museen und Sehenswürdigkeiten: haben durchgängig geöffnet, ggf. mit eingeschränkten Öffnungszeiten
- Historische Altstädte wie Chania & Rethymno sind besonders im ruhigen Winterhalbjahr ein Besuch wert
Weiterführende Links:
Die Tourismussaison 2025 auf Kreta: Mehr ist weniger
Verschärfung griechischer Strafen fürs Wildcamping
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