Kretas Olivenernte: Das Gold der Insel

Veröffentlicht am 14. Januar 2026 um 13:48

Totz Klimawandel und anhaltender Trockenheit bis weit in den Herbst tragen Kretas Olivenbäume 2025/26 wieder etwas mehr Früchte als in den Vorjahren. Doch große Freude kommt bei den gefallenen Ankaufspreisen bei den Bauern nicht auf. Denn auch in diesem fest auf Kreta verwurzelten Landwirtschaftssektor steigen die Betriebskosten rasant. Zur diesjährigen Erntesaison kam zumindest der Regen für die höhergelegenen Anbaugebiete nicht zu spät, so dass die kretische Ölolive in einigermaßen befriedigenenden Mengen eingebracht werden konnte. Und zwar so....

Auch Küstenstädte auf Kreta sind Erdbeben gewohnt

Kein Totalausfall wie in den letzten Jahren, doch noch deutlich unterdurchschnittlich: Olivenausbeute im Winter 2025/26  ©Kretaplan

 

Der Ölbaum Olea europea ist mit über 30 Millionen Exemplaren die bedeutenste Nutzpflanze der Insel und fühlt sich im sehr sonnigen und trockenen Klima Kretas besonders wohl. Doch die mittlerweile bis zu sechs Sommermonate ohne Niederschläge und die andauernden austrocknenden Winde machen auch den knorrigsten und festverwurzelten Olivenbäumen zu schaffen, zusammen mit dem unter solchen Stressbedingungen häufiger auftretenden Schädlingsbefall (der häufigste Schädling, ein Dakos oder auch Bandit genannter Käfer, wird mit Insektizidfallen bekämpft). Schon länger muss auch in kühleren Bergregionen bewässert werden, um eine einträgliche Ernte zu gewährleisten. Zudem ist der richtige Zeitpunkt für die Ernte entscheidend, damit die Olive bereits genügend Öl enthält, aber noch nicht allzu viele Bitterstoffe entwickelt hat, die Qualität und Geschmack des Olivenöls negativ beeinflussen. Auf Kreta ist besonders, dass praktisch ausschließlich die kleineren Öloliven angebaut werden, während die größeren Früchte für den Verzehr in der Regel aus anderen Anbaugebieten, etwa vom Festland um Kalamata, importiert werden. Besonders in Lassithi im Osten der Insel finden sich mit Kritsa und Sitia zwei Zentren mit besonders hochwertigem, regelmäßig ausgezeichnetem Olivenöl. 

Die Schlucht Farangi Cha in den Thrypti-Bergen in Lasithi

Klassische Ausrüstung zur Olivenernte: Pickup, Rüttelstangen, Netze, Sieb, Säcke.  ©Kretaplan

 

Die Olivenernte, traditionell Handwerk auf Kreta

Seit Jahrtausenden werden die Oliven geerntet, indem mit Stöcken auf die Äste geschlagen werden, um die fest an den Blattachseln sitzenden Früchte herunter zu schütteln. Damit die Bäume bei der Ernte möglichst wenig Schaden nehmen und nicht allzu viele Äste in den unter den Bäumen ausgelegten Netzen landen, wird wenn möglich bei nasser Witterung mit der Ernte begonnen, da die Zweige dann deutlich flexibler sind und nicht so schnell abbrechen. Im wärmeren Flachland beginnt die Ernte meist im November, in höheren Lagen mit klimatisch bedingtem langsamerem Wuchs zieht sich die Ernte auch schon bis in Februar und März. Die Ernte selbst ist ein anstrengendes Geschäft, auch die seit etwa 25 Jahren verbreiteten Rüttellanzen, die am Ende aussehen wie die Nase eines Sternmulls und mit portablen Generatoren betrieben werden, erleichtern die meist in gebückter Haltung auszuführenden Arbeiten nur teilweise. Doch die sich drehenden Gummiärmchen der Lanzen schütteln die Zweige sanfter durch, so dass weniger Schäden am Baum entstehen. Während die Öloliven aktiv geerntet werden müssen, werden die zum Verzehr bestimmten größeren Oliven, die vereinzelnt in Westkreta angebaut werden, eingesammelt, sobald sie von selbst reif in die ausgelegten Netze gefallen sind.

Die reifen Oliven werden vom Baum geschüttelt, vor Ort gesiebt, in Säcke gefüllt und schnell zur Mühle gebracht   ©Giorgio Giorgi/pixabay

Ziegn und Schafe wandern oft unbeschränkt auch Kretas Hochweiden

Technische Hilfsmittel wie diese Erntemaschine können lediglich im Flachland, in vielen Olivenhainen aber eben nicht eingesetzt werden –

eher schon wird man mit Olivenkernen gesteinigt  ©ADMC/pixabay

 

Warum so umständlich – und so teuer?

Olivenbäume tragen erst nach mindestens zehn Jahren erste Früchte, und das auch nur für wenige Jahrzente, wenn sie selbst auch mehrere tausend Jahre alt werden können. Viele der Millionen Olivenbäume Kretas stehen nicht auf eben Feldern, sondern eben auch auf Hügeln und Berghängen in unwegsamen Gelände, wo eine maschinelle Ernte unmöglich ist und handarbeit gefragt ist. Auch werden viele nicht professionell, sondern von den Besitzerfamilien selbst bewirtschaftet, da ein Olivenhain nur zur Erntezeit intensive Arbeit macht und im Rest des Jahres, abgesehen von etwas Bewässerung und Düngung, sich selbst überlassen werden kann. Doch die Bewässerung wird immer wichtiger, da das zusätzliche Nass im Sommer für einen festeren Halt der Olive am Baum führt, der bei den anhaltenderen und stärker werdenden Winden dafür sorgt, dass die Früchte nicht verfrüht vom Baum fallen und damit verloren wären. Außerdem produzieren bewässerte Bäume ölhaltigere Oliven, was den Ernteertrag direkt beeinflusst. Wenn die Olivenmühlen, in denen die Früchte zu Öl gepresst werden, traditionell zu Beginn der Erntesaison ihren Betrieb aufnehmen, liefern nicht nur Großproduzenten ihre Früchte frisch vom Baum an, sondern auch die Besitzer nur weniger Bäume, die sich dann ihren Anteil in Kanistern auszahlen lassen.

Griechisches Problem der Vermarktung im globalen Markt

Da ein Großteil der griechischen Olivenernte im regionalen Rahmen in Handarbeit abläuft und kaum Möglichkeiten bestehen, die Produktion mit technischen Mitteln effizienter zu gestalten, sind die Produktionspreise verhältnismäßig hoch. Anders als etwa italienische Ölproduzenten mit großen Handelsnamen wird griechisches Olivenöl in Großtanks ins Ausland exportiert und da dann abgefüllt und vermarktet, wobei ein Großteil der Wertschöpfung so natürlich ebenfalls ausgelagert wird. In wachsenden Olivenölmärkten wie Amerika konnten griechische Hersteller ihren Anteil nur begrenzt erhöhen und lagen mit 1.5% Anteil, aber mit dem mit Abstand höchsten Preis pro Tonne von 3.426$ selbst hinter unerfahreneren Produktionsländern wie Argentinien und Chile. Das derzeit breit diskutierte Mercosur-Handelsabkommen der EU mit lateinamerikanischen Staaten soll zumindest temporär für sieben Jahre einen gewissen Schutz von 344 Agrarprodukten aus der EU im Rahmen der Protected Designation of Origin (PDO) bieten. Neben Olivenöl, Fetakäse, korinthische Rosinen und Oliven aus Kalamata sind insgesamt 21 griechische Produkte unter jenen Regionalprodukten, deren Handelsbezeichnung an die tatsächliche Herkunft gebunden ist. Ob das aber ausreicht, um die wachsenden Herausforderungen in der Produktion und dem größeren globalen Wettbewerb auszugleichen?

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©Kretaplan

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