Zu trocken, zu windig, zu warm, zu kalt. Zu viele Touristen. Nicht genug Touristen. Zu viel Bürokratie, zu wenig Bewegung. Aber vor allem: Zu wenig Wasser. Die Nachrichten, die uns auf Kreta und im Rest Griechenlands beschäftigen, sind derzeit selten gut. Doch einige aktuelle Meldungen versprechen Erfrischung und zukünftig positive Entwicklungen für Griechenland, die es so dringend braucht...
Viele schlechte Nachrichten im Jahr 2025 stehen einigen guten gegenüber, die Feuchtigkeit versprechen.... ©Kretaplan
Griechenland, dem Land der dreitausend Inseln, geht langsam aber sicher das Wasser aus. Grund dafür sind nicht nur die leckageanfälligen lokalen Wasserversorgungssysteme, mangelndes Problembewusstsein der Bevölkerung und der wachsende Tourismus samt seinen Kehrseiten, die für stetig steigenden Frischwasserbedarf sorgen: In Griechenland hat sich der Wasserverbrauch in den vergangenen 25 Jahren von 800 Millionen auf 1,8 Milliarden Kubikmeter mehr als verdoppelt. Auch der Klimawandel sorgt mit seinen längeren Dürreperioden, gepaart mit Extremwetterereignissen, für Belastungen des Grundwasserspiegels. Im Jahr 2025 wurden weitere Tiefstpegelstände der Staudämme und Trinkwasserreservoirs gemeldet. Auch wenn im Dezember bereits einige Gewitter und Starkregen über Griechenland herabgingen, können die hartgebackenen Böden davon nur sehr begrenzt profitieren.
Golf von Korinth: Riesige Untersee-Süßwasservorkommen entdeckt
Süßwasser gehört zu den weltweit knapper werdenden Ressourcen, die für das menschliche Leben und Streben unabdingbar sind. In Zeiten allseits fallender Pegelstände, besonders in Südeuropa und auch in Griechenland, ist also der Fund einer Süßwasserquelle schon mal ein Grund anzustoßen. Forscher haben kürzlich, wie im Fachmagazin Hydrogeology Journal berichtet, riesige Mengen Grundwasser entdeckt – und zwar unter dem Meeresboden des Golfs von Korinth, wo sie sich seit den Eiszeiten über undurchlässigen Gesteinsschichten ansammeln konnten. Die leitende maltesischen Geowissenschaftlerin Senay Horozal erklärt: „Während dieser Zeiträume konnten Regenwasser und Flusswasser in die Sedimente eindringen und dort gespeichert werden. Seitlich ausgedehnte, weniger durchlässige Sedimentschichten haben dazu beigetragen, dass diese Wasserkörper 800.000 Jahre lang erhalten blieben.“
Bei Tiefenbohrungen und mit seismische Bildgebungsverfahren konnte ein System an Reservoirs in relativ geringen Tiefen von 20 bis 700 Metern unter dem Meeresboden mitten im Golf von Korinth entdeckt werden, und damit für solche Funde ungewöhnlich gut zugänglich. Zudem handelt es sich Hochrechnungen zufolge um beträchtliche Vorkommen dieses sogenannten Offshore Freshened Groundwater. Bislang wurden bedeutende OFG-Reservoirs nur vor der US-Ostküste und im Pazifik vor Neuseeland gefunden. Die nun entdeckten griechischen Vorkommen könnten geschätzte 250 Kubikkilometer umfassen und damit größer sein als die bisherigen Funde unter Atlantik und Pazifik. Genug jedefalls, um Griechenlands Trinkwasserverbrauch möglicherweise auf Jahrzehnte zu decken – wenn denn nicht wieder allzu viel durchs löchrige Rohrnetz versickert.
Was noch schief gehen kann...
Da sich die Funde mitten unter dem Golf von Korinth (auf der Karte weiter unten gut als dunklere Wasserfläche zwischen griechischem Festland und der Peloponnes zu erkennen) und damit im griechischen Kerngebiet sowie in unmittelbarer Nachbarschaft der Hauptstadt Athen befinden, werden die Türken wohl nicht auf die Idee kommen, diese reichen Bodenschätze für sich zu beanspruchen. Doch ob das auch für die MAGA-USA unter Trump gilt...?
Bodenschätze der Zukunft, bald wertvoller als Öl und Gas – und umweltschonender zu fördern: Süßwasser unter dem Meeresgrund ©gloriaurban4/pixabay
Nochmal gut gegangen: Drohnenangriff auf Tanker vor Kreta
Die Förderung des Süßwasser dürfte mit deutlich weniger Umweltgefahren verbunden sein als die fossiler Bodenschätze. Doch auch wenn noch gar keine Bodenschätze vor Kretas Küsten gefördert werden, ist die Insel gerade erst einer Umweltkatastrophe entkommen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wurde ein Öltanker der sogenannten russischen Schattenflotte vor der Südwestspitze der größten griechischen Insel von ukrainischen Drohnen angegriffen. Ein Video des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU zeigt scheinbar mehrere kleine Explosionen auf dem Deck des Tankers Qendil, der ohne Ladung unter der Flagge des Omans in internationalen Gewässern des lybischen Meeres südwestlich von Kreta unterwegs gewesen sein soll. Die Qendil steht unter westlichen Sanktionen und wurde bereits mehrfach umgeflaggt, um seine tatsächliche Nutzung zu verschleiern.
Wie das Onlinemedium Kyiv Independent mitteilt, sie dies das erste Mal, dass die Ukraine ein Schiff der mutmaßlich aus Russland gesteuerten Schattenflotte in internationalen Gewässern weitab der eigenen Seegrenzen angreift. Wie schwer die Schäden an dem Tanker wirklich waren, ist derzeit nicht bekannt. Schiffe der russischen Schattenflotte, die die Handelssanktionen gegen Russland umgehen, sind demnach allerdings nicht nur im Schwarzen Meer und dessen Zufahrten gefährdet, sondern müssen nun auch auf anderen Routen in internationalen Gewässern mit Angriffen rechnen.
Was noch schief gehen kann...
Alles. Wer ein Frachtschiff auf hoher See mit Drohnen angreift, riskiert eine Havarie, denn auch wenn dieser Ölfrachter unbeladen unterwegs war, hatte er doch mit Sicherheit einige Tonnen Treibstoff, höchstwahrscheinlich Schweröl, an Bord, das bei einem Brand oder einem Sinken des Schiffes bekanntlich zu schwer beherrschbaren Umweltschäden führen kann.
Bisher auf das Schwarze Meer im Nordosten der Ägäis beschränkt, geht die Ukraine nun wohl auch auf Schifffahrtsrouten im Mittelmeer
um Kreta gegen von Russland gesteuerte Schiffe vor ©NasaFirms
Wieder liquide? Griechenland tilgt vorzeitig Milliarden Schulden
Griechenland hat Mitte Dezember eine vorzeitige Rückzahlung von 5.3 Milliarden Euro aus seinem ersten Eurozonen-Rettungsprogramm Greek Loan Facility (GLF) abgeschlossen. Eigentlich erst im Zeitraum ab 2031 bis in die 2040er Jahre fällig, zog die Regierung um Premierminister Kyriakos Mitsotakis die bereits 2023 angekündigte Rückzahlung vor, was die Schuldenlast auf den hellenischen Haushalt reduziert. Allerdings, noch im Juni 2025 lag die gesamte Staatsschuld des Landes, also die Summe aller ausstehenden Verbindlichkeiten, bei beträchtlichen 403.2 Milliarden Euro, was etwa 151% des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Für die Rückzahlung, für die es einer von ESM und die EFSF gebilligten Ausnahmegenehmigung bedurfte, griff die griechische Regierung auf Rücklagen zurück, die in den letzten Jahren durch ein erhöhtes Steueraufkommen und Wirtschaftswachstum generiert werden konnten. So kann die nach wie vor Hohe Zinslast abgemildert werden.
Was noch schief gehen kann...
Geld, das man zurückzahlt, hat man nicht mehr zur Verfügung – in einer Zeit, in der Haushalte und Unternehmen weiter extrem unter hohen Lebenshaltungskosten und Abgaben leiden. Nominell verbessert die Maßnahme der vorzeitigen Teilrückzahlung das Schuldenprofil, doch sie verringert gleichzeitig die Liquidität. Die Opposition fordert, Finanzmittel anstelle der Schuldentilgung lieber in öffentliche Investitionen, Lohnstützung oder gezielte Entlastungen der Bürger zu leiten, um den zarten Aufschwung und die Binnennachfrage zu stützen.
Winterlicher Strand an der kretischen Südküste: noch nicht wieder so ganz liquide ©Kretaplan
Abnehmspritzen: Staatliche Hilfe bei Übergewicht
Das staatliche griechische Gesundheitssystem ist nicht gerade für seine überbordende Leistung berühmt. So mag es schon etwas erstaunen, dass die stellvertretende griechische Gesundheitsministerin und Psychologin Irini Agapidaki im Interview mit der Zeitung Kathimerini ankündigte, der Start eines neuen Gesundheitsprogramms zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht bei Erwachsenen stehe kurz bevor. Noch im Dezember sollen Betroffene, die im Rahmen des staatlichen Vorsorgeprogramms für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht wurden und einen sehr hohen Body-Mass-Index (BMI) von 40 und mehr aufweisen, Einladungen zu einer Voruntersuchung per SMS vom staatlichen Gesundheitssystem erhalten. Zeigt diese Untersuchung dann, dass Abnehmen medizinisch notwendig und mit Medikamenten möglich ist, sollen moderne Produkte wie Abnehmspritzen, etwa mit dem Wirkstoff Semaglutid, kostenlos verschrieben werden können.
Ziel des Programms sei es, Betroffenen beim schrittweisen Abnehmen zu helfen, gesunde Gewohnheiten zu fördern und das Gewicht langfristig zu stabilisieren, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, sagte Agapidaki im Interview. Statistisch sind etwa die Hälfte der Menschen in der Europäischen Union übergewichtig, Griechenland schneidet mit 54,4% noch etwas schlechter ab als der EU-Durchschnitt.
Was noch schief gehen kann...
Die berüchtigten Abnehmspritzen müssen bekanntlich dauerhaft, ggf. sogar ein Leben lang verwendet werden, um das Gewicht der Betroffenen zu regulieren. Ob diese Folgekosten angesichts tiefgreifender Kürzungen in der staatlichen Gesundheitsvorsorge, etwa bei der Ausstattung von Krankenhäusern, wirklich belastbar berechnet wurden, darf zumindest bezweifelt werden. Letzlich dürften die Abnehmspritzen auch auf dem Schwarzmarkt wohl einen stattlichen Preis erzielen...
Weiterführende Links:
Ukrainischer Drohnenangriff auf Tanker nahe Kreta via ntv
Chryssi Island: Naturschutz und Tourismus verbunden auf griechischer Insel?
Vorzeitige Rückzahlung Griechenlands von Eurokrediten via euronews
Neues zu privaten Finanzen 2025 in Griechenland
Program for free obesity medication launched via ekathimerini
Kommentar hinzufügen
Kommentare