Gastfreundschaft, entspanntes Reisen und vielfältige Naturschönheit fällt wohl den meisten ein, wenn es um die große griechische Ferieninsel Kreta geht. Nicht umsonst gilt das vielfältige Reiseziel in der Süd-Agäis nach wie vor als Traumziel vieler Strandurlauber und Individualreisenden. Um den Kreta-Besuch besonders gelungen zu gestalten, haben wir von Kretaplan eine kompakte Sammlung an praktischen Infos und Tipps zusammengetragen, die die kretischen Eigenheiten reflektieren und dafür sorgen, unangenehme Überraschungen unterwegs zu vermeiden. Giftige Tiere inklusive.
Anreise: Ankommen auf Kreta
Östlich von Heraklion herrscht Krieg. Also nicht der Krieg der USA und Israel gegen das Völkerrecht – sondern vielmehr der Verkehr auf der neuerdings staugeplagten Nationalstraße VOAK, die die Hauptstadtregion Heraklion als Hauptverkehrsader mit den Urlaubsorten im Osten der Insel verbindet. Diese Fernstraße wird derzeit zu einer vierspurigen Autobahn ausgebaut, und das im laufenden Verkehr und unter den beengten Bedingungen der Bergtäler und Steilhänge, die sich bis an die Küste Kretas ziehen. Streckenweise kommt es zu langen Staus, Vollsperrungen und Umleitungen über die Alte Nationalstraße. Sicher kein Spaß bei weit über 30°C und dem Wissen, dass direkt hinter der Bergkette in Sichtweite eigentlich das Meer lockt.
Teilbereiche der neuen Autobahn A90 zwischen Neapoli und Agios Nikolaos sollen angeblich noch im Sommer 2026 fertiggesstellt werden, was zumindest am östliche Ende der VOAK für etwas Entspannung sorgen könnte. Doch da ist ja auch noch die andere Großbaustelle Kretas, nämlich der neue internationale Flughafen bei Kastelli, der duch einen massiven Ausbau des einstigen Militärflughafens auf einer inlands gelegenen Hochebene den stark in die Jahre gekommen Hauptstadflughafen Heraklions ersetzen soll, der mitunter schon als schlechtester Verkehrsflughafen Europas bezeichnet wird. Die mehrfach verschobene Fertigstellung des neuen internationalen Flughafens Kastelli wird wohl noch in diesem Jahrzehnt kommen.
Kretaplan-Tipp: Entscheiden Sie sich wenn möglich für Reisezeiten abseits vom Vormittag und dem Feierabendverkehr ab 16 Uhr. Und kommen Sie nicht per Boot an.
Leider derzeit nicht mehr, wie man es von Kreta kennt: nach Oleander und Wildkräuter duftende Straßenränder ©Kretaplan
Beköstigung: Tavernen-Tipp und Restaurants ohne Karte
Eine Binsenweisheit, doch immer noch wahr ist, dass das Essen besser wird, je weiter man sich von den Tourismus-Hotspots an den Küsten entfernt. Noch gibt es die unglaublich günstigen und schmackhaften Tavernen im Binnenland und den Bergen, die qualitativ hochwertige, regionale Versionen der überaus gesunden Mittelmeerküche anbieten, die auf Kreta einen ihrer Höhepunkte gefunden hat. In der Regel haben es wirklich gute Restaurants jeder Preisklasse auch nicht nötig, einen Mitarbeiter zur professionellen Einladung abzustellen, der Passanten, hello my friend, an die Tische drängt. Denn Einheimische, Langzeitgäste und auch informierte Reisende wissen meist recht gut, wo es sich lohnt zu essen. Richtig ursprüngliche Tavernen und Kafeneions haben mitunter übrigens gar keine Speisekarten, serviert wird das Tagesmenü, meist professionell zubereitet von der Oma des Hauses. Und da es auf Kreta kaum kulinarische Absonderlichkeiten wie Eselshoden, Schlangenfilet oder Kugelfisch gibt – obgleich alle Spender vorhanden wären – kann man sich getrost auf solche kleinen Abenteuer einlassen.
Kretaplan-Tipp: Für bestes Tavernenessen zu unschlagbarem Preis-Leistungs-Verhältnis im Herzen Lassithis, abseits der Touristenströme, geben Sie einfach die Ortsnamen Flamouriana oder Kroustas in ihre Navigationshilfe ein. καλή όρεξη!
Gefahr: Giftige Tiere an Land und im Wasser
Wie war das – Kugelfisch?! Tatsächlich gibt es den Hasenkopf-Kugelfisch voll mit potenziell tödlichem Neurotoxin bereits seit gut 20 Jahren im Mittelmeer um Kreta, und der Einwanderer aus tropischen Gewässern im Osten ist zudem überaus bissig. Doch die Wahrscheinlichkeit, beim Baden an Kretas Stränden von einem Hasenkopf angeknabbert zu werden, ist laut Experten insgesamt gering. Tatsächlich aber haben sich neben den ohnehin schon im strandnahen Sand lauernden Petermännchen mit ihren Giftstacheln auch weitere Neuankömmlinge in Kretas Gewässern breitgemacht, etwa der ebenfalls mit Giftstacheln bewehrte Rotfeuerfisch oder der gefräßige Feuerwurm. Gefährliche Tiere gibt es an Land, wo man ihnen leicher ausweichen könnte, jedenfalls kaum, die meisten giftigen Schlangen-, Spinnen- und Skorpionarten Kretas sind eher selten und für den Menschen relativ ungefährlich.
Kretaplan-Tipp: Wer die Steine Kretas an ihrem Platz (Ausfuhr ist ohnehin Verboten) und unter ihnen versteckte Skorpione und Spinnen ungestört lässt, hat an Land wenig zu befürchten. Wo ortskundige Einheimische Im Meer baden, ist es meist sicher und mit größerer Auswahl für die Fische sinkt auch die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs.
Krankenversorgung: Wie gut sind Ärzte und Krankenhäuser?
In Griechenland gibt es wie so oft zwei seiten der medizinschen Versorgung: Einerseits sehr gut aus- und meist im Ausland fortgebildete Fachärzte, die neben ihren Diensten in Kliniken privat kleine Arztpraxen betreiben, allerdings meist in Eigenregie ohne (Sprechstunden-) Hilfe, was die Terminvereinbarung erschwert. Und andererseits die öffentlich mit beträchtlichen staatlichen Krankenkassenbeiträgen finanzierten lokalen Krankenhäuser, deren heruntergekommenen Gänge leider mitunter an Horrorfilme erinnern und die keinerlei Pflegeleistungen bieten – das müssen hier die Angehörigen übernehmen.
Diese fehlfinanzierten Versorgungszentren kämpfen derzeit meist ums Überleben und gegen die Zusammenlegung lokaler Krankenhäuser, um die grundlegende Versorgung zumindest mit Notfallmedizin aufrechterhalten zu können. So kommt es vor, dass Fachärzte wie Anästhesisten zwischen den Kliniken von Siteia und Agios Nikolaos pendeln und im Fall der Fälle mitunter ein Unfallchirurg vor Ort ist, aber leider kein Facharzt für die Narkose. Eines darf nicht außer Acht gelassen werden: Die notfallmedizinische Versorgung steht abseits der Hauptstadt Heraklion auf wackligen Füßen, viele akute Notfälle müssen per Krankenwagentransport (richtig, über die stauanfällige VOAK) in besser ausgestattete Kliniken in Heraklion verlegt werden.
Kretaplan-Tipp: Bleiben Sie gesund und meiden allzu gesundheitsgefährdende Situationen. Denn schon Einheimische haben mit den Schwächen des lokalen Gesundheitssystems so ihre Schwierigkeiten.
Das öffentliche Krankenhaus von Agios Nikolaos: Hilfreich wäre, wenn Ärzte im Dienst wären... ©Kretaplan
Naturkatastrophen: Erdbeben, Überschwemmungen, Hitze
Kreta liegt schon seit mindestens mehreren Tausen Jahren in einem hochgradig aktiven Erdbebengebiet. Wer zu Besuch kommt, muss mit möglichen Erderschütterungen rechnen, die allerdings meist recht leicht bis unmerklich ausfallen. Doch beim unmittelbaren Nachbarn Santorin sah des vor gar nicht langer Zeit auch anders aus. Schon lange wird auf Kreta erdbebensicher gebaut, Hausversicherungen enthalten Erdbebenklauseln, schon Kindergartenkinder lernen den sicheren Umgang mit tektonischen Erschütterungen. Doch neben Erdbeben gehören zunehmend auch menschengetriebene Probleme wie die Klimaerwärmung und Waldbrände zu den Herausforderungen, mit denen die Einwohner und deren Besucher auf Kreta zunehmend zu kämpfen haben. Während die Wohnhäuser und Hotels mit Klimaanlagen und schattiger Bauweise traditionell gut auf Sommerhitze eingestellt sind, sieht es mit Starkregenereignissen wie im Frühjahr 2022 schon etwas anders aus. Denn die Regenwasserableitung ist nicht für große Volumen konzipiert und oft überfordert, lokale Überschwemmungen gibt es bei stärkeren Niederschlägen regelmäßig.
Kretaplan-Tipp: Der griechische Katastrophenschutz gibt Hinweise zum Verhalten bei Extremsituationen, auch in deutscher Sprache. Ansonsten ist man mit gesundem Menschenverstand – etwa keine brennenden Kippen in die knochentrockene Landschaft zu werfen – schon besser gerüstet als so mancher Einheimischer.
Trinkgeld: freiwillige Anerkennung, kein Zwang
Ja, auch Griechen freuen sich als Anerkennung von gutem Service im Gastgewerbe über Trinkgeld, auch wenn es nicht so eine unangenehme organiserte Geschichte ist wie in den USA oder mittlerweile auch Deutschland, wo das EC-Kartengerät bereits den Tipp einfordert. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der kretische Kellner ebenso wie der Taverneninhaber, der nicht selten frischeste Zutaten aus dem Familiengarten serviert, ohne groß mit »bio« oder »regional« zu prahlen, im Alltag meist wirklich ums finanzielle Überleben kämpft angesichts hoher Steuerbelastung und steigender Lebenshaltungskosten in Griechenland. Nur große Tourismusunternehmer gehören neben Bauunternehmern in Griechenland zu den Gutverdienern, Angestellte, Beamte und Kleinunternehmer jedoch haben noch immer seit den Jahren der Schuldenkrise zu kämpfen.
Kretaplan-Tipp: Griechen ist es traditionell unangenehm, Geschenke direkt überreicht zu bekommen. Werden diese aber abgelegt und dann erst an sich genommen, ist der guten Sitte entsprochen. Daher also Trinkgeld (5-10%) immer auf dem Tisch liegen lassen.
Wer mit Meerblick speist, zahlt auch mehr. Und besser schmeckt es sowieso meist unter EInheimischen ©Kretaplan
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