Aktueller Ausflug zur »verbotenen« Insel Chrysi

Veröffentlicht am 23. Juli 2026 um 13:44

Ein Traum für Aussteiger und Glücksritter, ein Albtraum für die Natur auf Chrisy Island: Die bewegte Vergangenheit der kleinen Trauminsel vor der Südküste Lassithis hat Spuren hinterlassen, die auch vier Jahre der Sperrung für Besucher nicht ganz überdecken können. Doch die Regionalregierung plant eine Wiederaufnahme des Tagestourismus mit regulären Bootsanlegern und Infrastruktur, die die Umwelt des Naturschutzgebietes respektieren soll. Kretaplan hat bei einem Besuch getestet, wie gut das in der aktuellen Sommersaison 2026 funktioniert.

 Chrysi Island: Anlanden nicht erlaubt, betreten schon unter strengen Bedingungen  ©Kretaplan

Chrysis goldene Vergangenheit

Die Geschichte der goldenen Insel Chrysi (Χρυσή = golden) begann schon lange vor den Aussteigern und Hippies, die sich eine anarchische Sommerkommune in den Dünen des Eilandes im Süden Kretas schufen. Denn bereits aus der Antike sind Spuren von Holzhandel, Salzgewinnung und Purpurproduktion aus Meeresschnecken auf der nicht mal 5 Quadratkilometer messenden Insel bekannt. Doch wie so oft übertrieben es die Menschen schließlich, als sie sich unbeobachtet wähnend inoffizielle Siedlungstrukturen schufen, die nicht vom griechischen Steuersystem erfasst waren. All die illegalen Tavernen, Sonnenschirmverleiher und Wiedetiere mussten verschwinden, seit 2022 wurde die Insel für Besucher gesperrt – all die Verkaufsstellen von Tagestickets für die Ausflugsboote in Ierapetra schlossen ihre Schalter.

Doch die dadurch wegbrechenden Steuereinnahmen aus dem Tagestourismus dürften die Regionalregierung zum Umdenken bewogen haben, zudem sich die Natur nach offiziellen Angaben zu erhohlen scheint: Die illegale Wassernutzung endete, so dass das natürliche Gleichgewicht des Wasserhaushalts der kleinen Kalksandinsel mit seinen alten Zedernwäldern wieder einigermaßen ins Lot kam. Der Mastix gedeiht zwischen den knorrigen Bäumen, Dünenpflanzen siedeln sich wieder an. Auch haben scheinbar wieder erste Exemplare der riesigen Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas) seit 2024 auf Chrysi gebrütet. Die größten aller Meeresschildkröten sind in ihrem Bestand stark gefährdet und im östlichen Mittelmeer sehr selten geworden. Wie gut sich die vorgelagerte Insel nun langfristig als naturnaher Lebensraum eignet, wird sich zeigen.

 Chrysi Island 2026: Uralte Zedern in den Dünen, Salzpfannen in den Felsenpools am Strand  ©Kretaplan

Wie sieht es nun 2026 auf Chrysi Island aus?

Denn neben Resten der unrühmlichen Vergangenheit wie rostigen Gerippen professioneller Strandschirme und jeder Menge alter Blechdosen finden sich auch wie fast überall aktuelle Spuren der menschlichen Zerstörungskraft – in Form des unvermeidbaren Strandguts aus Schiffstauen, Fischernetzen und Kanistern auch Plastikmüll, den offensichtlich die aktuellen Besucher zurückgelassen haben. Eigentlich gilt zudem Rauchverbot auf der gesamten Insel, doch selbst der knautschige Bootsmann, der das Gepäck des Ausflugsschiffes an Land shuttled, nimmt das nicht so genau.

Auf den ersten Blick empfängt Chrysi Island und sein kleiner, im Osten liegender Satellit Mikronisi (= kleine Insel) die Besucher mit karibisch anmutenden Wasserfarben von azzura über leuchtendtürkis bis zu tiefblau, und das Wasser ist dank des offenen Meeres ringsum erstaunlich erfrischend, rund 15 Kilometer südlich der glühenden Südküste Kretas entfernt. Doch die mutmaßlichen »Eispfützen«, in den Steinpools entlang der Küste zu finden, sind natürlich Salzkrusten, die bei der Verdunstung des Meerwassers entstehen. Und man braucht seine Augen nicht lange unter Wasser schweifen lassen, um die ersten Bewohner auszumachen, der felsige Meeresgrund bietet hier umittelbar mehr zu sehen als so mancher kretische Badestrand, da sich in den steinigen Höhlen voll mit Anemonen und Seeigeln auch eine Vielzahl an Fischen vergnügt. Wer also der reichhaltigen Flora und Fauna der Lybischen See noch näher kommen will als im empfehlenswerten Cretaquarium, bieten die Wellen um Chryssi einen guten Einstieg.

Weißer Sandstrand auf der Ausflugsinsel Chryssi

 Chrissys geradezu legendärer Golden Beach im Nordosten der Insel, davor vertrocknete Bäume © Kretaplan

"Legalisierung" des Tagestourismus für Chryssi

Im Jahr 2025 hieß es noch von den zuständigen Stellen in der Regionalverwaltung, dass sich die Insel ökologisch bereits zu erholen begonnen habe und von vielen schädlichen Praktiken der Vergangenheit, wie illegalem Camping und Umweltschäden, befreit sei. Gleichzeitig habe sich die Mentalität sowohl der Bevölkerung als auch der Geschäftsleute allmählich geändert. Im Mai 2026 wurde ein Ministerialbeschluss veröffenlicht, der die Neuregelung der Besuchsbedingungen für Chryssi regelt, zunächt auf 2+1 Jahre geplant: Die Aufsicht unterliegt nun der Organistaion für natürliche Umwelt und Klimawandel (OFYPEKA). Parallel zum Abriss der illegalen Bauten soll eine neue Anlegestelle entstehen.

Solange aber noch keine offizielle Anlegestelle errichtet ist, gelten die aktuell praktizierte Regelung: Besucher vor die Insel bringen, aber nicht anlanden zu dürfen; die Strände nutzen, aber nicht das Landesinnere betreten zu dürfen (wo genau fängt das eigentlich an?) solche Rahmen lassen viel Interpretationsspielraum, der ebenso wie das Verbot des Zurücklassens von Müll sowie die Mitnahme von Steinen und Muscheln kaum kontrolliert wird. Auch verschwinden direkt nach dem Ausschiffen ein mindestends zweistelliger Prozentsatz der Tagestouristen für Insta-Fotos direkt in den Dünen, was zum Schutz der geschundenen Vegetation der Insel eben nicht erlaubt ist. Es steht zu befürchten, dass sich die jetzige Nutzung der Insel wieder weiter ausdehnen wird, wie es bereits in den 90er Jahren der Fall war. Wäre es also nicht wirklich besser, den Besucher, wie beispielsweise am Palmenstrand von Vai, die Einhaltung der Regeln einerseits zu erleichtern und andererseits die lokal erwirtschafteten Steuereinnahmen durch die Tagestouristen auch vor Ort zum Erhalt der Attraktivität der Insel (Hinweisschilder, Müllbehälter....) abzusichern?  

Blick von Chrysi über das Libysche Meer und die Küste um Ierapetra

 Der Käptn persönlich lässt die Besucher über die Planke gehen: Ausschiffung vor Chrysi Island 2026 ©Kretaplan

Kretaplan-Tipps zum Besuch von Chrissy Island

Größere Ausflugsboote mit bis Platz für bis zu 300 Gästen fahren in der Saison wieder täglich vom Hafen von Ierapetra aus, tatsächlich kann man unmittelbar an der Hafenmole parken. Auch Charterboote im Yachthafen bieten die Tour mit etwas mehr Privatsphäre an. Die Überfahrt zur 15 Kilometer vor der Küste liegenden Insel Chryssi dauert rund eine Stunde, Tickets sind ab 40€ pro Person zu haben. Da die Insel derzeit noch nicht wieder per Anlegestelle erreicht werden darf, müssen Schiffe in einigem Abstand zur Insel ankern und die Besucher schwimmend oder per Schlauchboot an die Strände der Insel entlassen. Darauf hat man sich gut eingestellt, neben gar nicht mal überteuertem Flaschenwasser kann man sogar noch an Bord wasserdichte Taschen für das Landemanöver kaufen. 

Große Ausflugsboote ankern rund 20 Meter vor dem Strand, Gepäck und Kinder können per Dingi an Land gebracht werden. Doch was die Touranbieter keineswegs immer erwähnen: Die Küste Chrysis ist felsiger und schroffer als so mancher Sandstrand, und der teils schwarzkörnige Sand kann sich in der unbarmherzigen Sommersonne so stark aufheizen, dass man kaum fünf Schritte ohne gegarte Fußsohlen gehen kann. Also ist die Nutzung von Badeschuhen oder wasserfesten Trekkingsandalen eine sehr gute Idee, zur Not können auch Flipflops schmerzhafte Erlebnisse einigermaßen verhindern. Und überall in den Felsenpools entlang der Strände sitzen Seeigel, somit ist auch hier Vorsicht geboten. Da die meisten Ausflugsboote im Schutz von Mikronisi im Osten der Insel am Kataprosopo Beach ankern, ist eine kleine, aber bei mindestens 35°C ohne Schatten schweißtreibende Wanderung über die Anhöhe Fokiospilio nötig, um den begehrten Golden Beach im Nordosten zu erreichen – denn die noch immer gut auf Satellitenbildern zu erkennden Pfade durch das Herz und die Dünenwälder der Insel zu nehmen ist nach wie vor verboten. 

Da das Landesinnere von Chrysi tabu ist, bleibt wohl das Meer um die Insel zunächst die Hauptattraktion  ©Kretaplan

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