Akute Warnung: Verkehrsfallen um Agios Nikolaos

Veröffentlicht am 30. Juli 2026 um 13:30

Im Winterhalbjahr erneuerte Straßenbeläge der Landstraßen im Einzugsbereich von Agios Nikolaos, der Hauptstadt der ostkretischen Region Lassithi, wurden erst spät im Frühjahr mit neuen Fahrbahnmarkierungen versehen. Das Problem dabei: Neue, doppelt durchgezogene Linien über mehrere Kilometer verhindern nun das legale Abbiegen an neuralgischen Punkten, so dass teils lange Umwege nötig sind, um hohen Strafen für einen Verkehrverstoß von 700€ und mehrere Monate Fahrverbot zu umgehen.

Ab dem Aussichtspunkt über dem Golf von Elounda gilt: Durchgezogene Doppellinie nicht überfahren ©Kretaplan

Dass die griechische Polizei im Straßenverkehr mitunter hart durchgreift, und zwar nicht nur bei Verstößen gegen die Helmpflicht, ist in städtischen Zentren wie Chania und Agios Nikolaos seit Längerem bekannt. So gab es im Winterhalbjahr 2024 heftige Kontrollrazzien von Verkehrspolizei-Staffeln, die teilweise den Zweiradfahrern mit Gewalt die Helme vom Kopf rissen, um die mangelnde Fixierung mittels Kinnriemen zu demonstrieren. Und auch sämtliche weiteren Verkehrsvergehen scheinen nun auf Kreta unnachgiebiger geahndet zu werden, was ja grundsätzlich angesichts der gefühlten Rechtlosigkeit auf Kretas Straßen und deutlich erhöhtem Verkehrsaufkommen auf den kretischen Fernstraßen nicht ganz falsch ist. Doch der verkehrstechnische Fallstrick, der nun in und um Agios Nikolaos auf der Straße ausgelegt wurde, droht besonders auch ortsunkundige Touristen zu treffen.

Klare Regelung der doppelt durchgezogenen Linien

Wer eine doppelt durchgezogene Linie überfährt, kann (und wird) in Griechenland mit einem Bußgeld von 700,- Euro belegt werden sowie einem bis zu viermonatigem Fahrverbot. Führerschein und Fahrzeugpapiere werden dann in der Regel eingezogen. Dabei müssen die Geldstrafen beim lokalen Postamt beglichen werden, mit der Quittung können dann nach Ablauf der Fahrverbotsfrist die Papiere beim zuständigen Polizeirevier ausgelöst werden. So die Regelung, die – bis auf das kürzlich erhöhte Strafmaß – schon länger Bestand hat und bekannt sein dürfte.

Auf Grund der Härte der Strafe sollte man meinen, dass der Großteil der einheimischen Verkehrsteilnehmer diese Regel einhalten. Doch ein weiterer Punkt lädt die derzeitige unangenehme Situation um Agios Nikolaos weiter auf: Wegen der oft unzureichend sichtbaren Straßenmarkierung, die häufig unter hoher Sonneneinstrahlung, vielen unzureichend geebneten Baustellennarben und Staub auf der Straße oft schlecht oder garnicht mehr zu sehen ist, konnte man in der Vergangenheit auf diesem Umstand verweisen und auf etwas Milde bei der für die Verkehrsüberwachung zuständigen Beamten der griechischen Polizei (Ελληνική Αστυνομία) hoffen. Auch der Hinweis, dass ja die dreieckigen Warnschilder vor Einmündungen von der Gegenseite noch vor Ort stehen, obgleich die Querung der doppelten Mittellinie nicht mehr erlaubt ist, dürfte da wohl kaum helfen. Aktuell jedenfalls hat man es auf den betroffenen Streckenabschnitten, nämlich auf der Ausfallstraße nach Kritsa sowie der Küstenstraße von Agios Nikolaos nach Elounda, mit frisch gezogenen weißen Doppellinien auf noch recht schwarzem Grund zu tun, der zudem nachts durch brandneue Solar-LED-Laternen beleuchtet wird, was die Ausrede des Übersehens obsolet macht. 

Nach Erneuerungen des Straßenbelags viele Doppellinien im Bereich Agios Nikolaos

Die am gegenüberliegenden Fahrbahnseite liegenden Abfahrten der Straße nach Elounda sind nicht mehr nutzbar  ©Kretaplan

Gefährliche Situation, besonders für Touristen

Lokale Medien berichteten bereits über Hotelangestellte, die ihren Arbeitsort an der Küste von Elounda in Richtung Agios Nikolaos verlassen wollten und beim Überfahren der Doppellinie erwischt wurden und mit 700€ Geldbuße (der weit verbreitet gezahlte gesetzliche Vollzeit-Mindestlohn in Griechenland liegt bei brutto 920€) und einem viermonatigen Fahrverbot belegt wurden. Problematisch ist, dass der besonders in der Hauptsaison vielbefahrene Landstraße über mehrere Kilometer bis zum Ortseingang gefolgt werden müsste, um legal in Richtung Agios Nikolaos abbiegen zu dürfen. Und der Abschnitt ist Teil der viel von Touristen befahrenen, wunderschönen Küstenstraße, die Luxushotels und Ressorts um die Top-Touristenattraktion Spinalonga mit dem Fernstraßennetz verbindet. Gleiches gilt für die Ausfallstraße von Agios Nikolaos nach Kritsa, die ebenfalls frisch geteert und nun mit einer Doppellinie versehen wurde, die auf mehrere Kilometer nicht unterbrochen ist.

Mehrere Hotelkomplexe, Restaurants und Bars liegen nun schlechter erreichbar seeseits der Zufahrt nach Elounda  ©Kretaplan

Auch hier wie in Elounda laufen durchaus auch viele ortsfremde Touristen Gefahr, in diese Falle zu tappen, denn der bei Besuchern sehr beliebte Discounter Lidl bzw. der dazugehörige Supermarktparkplatz ist legal nur stadtauswärts in RIchtung Kritsa zu verlassen, da auch hier keine Strichelung oder Aussetzung der durchgezogenen Mittellinie vorhanden ist. Weitere solche Fälle betreffen nach Fahrbahninstandsetzungen und neuen Doppelmittellinien nun die Zufahrten zum beliebten Stränden wie Almyros Beach bei Agios Nikolaos oder Voulisma sowie die Ortschaft Pachia Ammos: Überall verhindern durchgezogene Doppellinien das Abbiegen zu beliebten Orten für Touristen. Ortsfremde also, die sich ohnehin öfter mal verfahren und so versucht sein könnten, doch mal eben die Linien zu queren, zumal es die Einheimischen ja reihenweise vormachen. Wer beispielsweise von Agios Nikolaos kommend zum längsten und wohl beliebtesten Strand der Region namens Almyros Beach will, muss entweder illegal über die Doppellinie abbiegen oder in diesem Fall (nur) mehrere Hundert Meter weiter fahren, wo das legale Wenden dank gestrichelter Einfahrt landeinwärts möglich ist – wenn auch nicht ganz ungefährlich in einer unübersichtlichen Doppelkurve, die ohnehin schon als Unfallschwerpunkt gilt.

Die kurvige Küstenstraße "Old Road" von Agios Nikolaos nach Pachia Ammos: Keine Ausfahrt Almyros Beach  ©Kretaplan

Fehlplanung oder Erschließung neuer Geldquelle?

Von den Bürgern der Stadt Agios Nikolaos hört man immer wieder die Einschätzung, dass es keineswegs Versäumnisse bei der Verkehrsplanung bzw. schlicht bei der vespäteten Fahrbahnmarkierung nach der Fahrbahnerneuerung im Winter 2025/26 war, sondern vielmehr vorsätzliche Geldmacherei, da der Stadt nun Hohe Einnahmen aus Geldbußen von beträchtlichen 700 Euro pro Fall winken. Zum Vergleich, Verkehrsvergehen wie das Überfahren durchgezogener Linien und Rotlichtverstöße sind mit 700 Euro Bußgeld und mehreren Monaten Entzug von Fahrerlaubnis und Zulassung des benutzten Fahrzeugs gleich hoch in Griechenland, in Deutschland etwa wird das ver­bots­wi­drige Überfahren der Fahr­strei­fen­be­gren­zung beim Links­ab­bie­gen bzw. Wenden mit rund 10 bis 60€ geahndet, dazu kein Punkt, kein Fahrverbot, keine Entziehung der Fahrzeugzulassung.

Es ist schon soweit, dass sich Teile der Bevölkerung zu einer Kundgebung vor dem für die Region zuständigen Polizeirevier in Agios Nikolaos einfinden wollen. Die Einheimischen denken dabei zunächst natürlich an die eigene Rechtssicherheit im Straßenverkehr – doch sollten sich demnächst die Probleme von ausländischen Besuchern mit dieser Rechtslage häufen, wird das Thema sicher ein größeres Politikum, da dann die Einnahmen aus dem Toursimus gefährdet sein könnten. Und das will hier schließlich niemand.

Unruhige Zeiten, auch in der Ägäis

Manchmal wäre man dankbar, wenn mehr als nur zwei Linien den Gegenverkehr abgrenzen  ©Kretaplan

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