Während in Deutschland ab Tag eins des us-israelischen Angriffskrieges auf Iran die Spritpreise ungehemmt kletterten, tat sich an den Zapfsäulen auf Kreta zunächst nichts außergewöhnliches. Auch wenn die Preise an griechischen Zapfsäulen erst angepasst werden, wenn die Tanks neu gefüllt sind, haben die Kraftstoffpreise mittlerweile die kritische 2-Euro-Marke überschritten. Allerdings, erste Entlastungsmaßnahmen für griechische Fahrer laufen bereits an...
Über zwei Euro/Liter, Diesel teurer als Super: Kraftstoffpreise in Agios Nikolaos Ende März 2026 ©Kretaplan
Als die Spritpreise an deutschen Tankstellen bereits in den ersten Kriegswochen die neuralgische Zwei-Euro-Marke passierten, tat sich noch nicht viel an griechischen Zapfsäulen. Denn viele Tankstellen, besonders abseits der Großstädte, erhöhen oder senken ihre Preise mit der neuen Kraftstofflieferung, also fairerweise erst dann, wenn die Tanks unter den Zapfsäulen mit frischem Treibstoff aufgefüllt sind. Und eben nicht ungehemmt, wenn sich gerade durch die Nachrichtenlage eine gute Gelegenheit zur Gewinnmitnahme bietet. Während also in Deutschland in den ersten Märztagen bereits Preise jenseits von 2,20€ pro Liter für Superbenzin verlangt wurden, konnten Griechen noch bis weit in den März für leicht erhöhte Abgabepreise um 1,80€ pro Liter ihre Tanks füllen.
Trotz Inselaufschlag: Kraftstoff-Preise auf Kreta moderat
Nach den beträchtlichen Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine hatten sich die Spritpreise auf Kreta auf einem erträglichen Niveau eingependelt, der Liter Super 95 war 2025 im Schnitt für 1,75€ zu bekommen – wobei die Preisunterschiede von Tankstelle zu Tankstelle und von Ort zu Ort beträchtlich sein können. So sind bei Tankstellen an Schnellstraßen "Autobahnaufschläge" von bis zu 10c/Liter üblich, während solche an etwas versteckteren Standorten mit bis zu 8c/Liter Ersparnis locken. Auffällig war, dass trotz des moderaten, aber absehbar noch nicht beendeten Anstiegs der Spritpreise kaum Hamsterkäufe zu beobachten waren, wie sie sonst von besonders günstigen Spritpreisrunden ausgelöst werden und den Griechen jede erdenklichen Behälter von der PET-Flasche bis zum (hoffentlich ausgemusterten) Olivenölkanister zum mobilen Benzintank werden lässt. Doch der kriegsbedingt weiter erwartete Anstieg des Ölpreises wird sich früher oder später natürlich auf sämtliche Warenpreise und letztlich die Inflation auswirken.
Kletternde Energiepreise belasten Verbraucher
In den letzten Jahren stark gestiegene Strom-, Gas- und Wasserpreise haben die griechischen Haushalte bereits deutlich belastet. Ein stark steigender Ölpreis wirkt da erneut wie ein Damoklesschwert, das sämtliche Ausgabenposten unter Druck zu setzen im Stande ist. Da Heizöl in Griechenland ebenfalls über Tankstellen gehandelt wird, steigen auch die aktuellen Heizkosten unmittelbar mit, von 1,17€/Liter im November 2025 auf aktuell bis zu 1,40€/Liter.
Angesichts anstehender griechischer Parlamentswahlen im Sommer 2027, die der regierenden Nea Dimokratia wohl die Mehrheit kosten könnte, und anhaltend sowie berechtigt hoher Unzufriedenheit in der Bevölkerung, versprach Premierminister Mitsotakis nun neben ohnehin beschlossenen Steuererleichterungen bei Einkommen, Grundbesitz und Mehrwertsteuer einige Sofortmaßnahmen gegen die drohenden Folgen des steigenden Ölpreises. Denn sowohl die Tourismusbranche als auch die ohnehin unter Klimawandel und Strukturversäumnissen leidende Landwirtschaft, besonders auf Kreta, dürften bei unkontrolliert steigenden Energie- und Düngemittelpreisen unter Druck geraten. Doch für die Bürger soll es ein kleines Trostpfalster an der Zapfsäule schon gleich geben.
Unweigerlicher Preisanstieg für Lebensmittel erwartet, auch für lokale Produkte, wie hier beim Metzger im kretischen Neapoli ©Kretaplan
Kurzfristige Subventionen für April und Mai angekündigt
Während in Deutschland lebhaft über die beobachteten Spritpreiserhöhungen anhand von möglichen Gegenmaßnahmen, etwa einer Beschränkung der täglichen Preiserhöhungen an der Zapfsäule sowie einer Übergewinnbesteuerung oder ähnlichen kartellrechtlichen Maßnahmen diskutiert wird, hat die griechische Regierung bereits ein Paket aus vier Sofortmaßnahmen im Volumen von ca. 300 Millionen Euro geschnürt, um dem unbändigen Ölpreisanstieg kurzfristig etwas entgegen zu setzen. "Sie wissen, dass Griechenland bereits eine Vorreiterrolle bei der Ausarbeitung einer einheitlichen europäischen Antwort einnimmt. Bis dahin ist die Regierung jedoch entschlossen, unilateral auf nationaler Ebene zu handeln. Immer im Rahmen unserer Haushaltsmöglichkeiten", so Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis in einer aktuellen Regierungserklärung.
Die Finanzierung der Maßnahmen sei dank der positiven Wirtschaftsentwicklung durch öffentliche Mittel, sowie besonders einer höheren Besteuerung von Gewinnen aus Online-Glücksspiel im Umfang von zusätzlich 100 Millionen Euro gesichert. Tatsächlich erreichten die griechischen Steuereinnahmen aus Umsätzen der Glücksspielbranche sowie aus Gewinnen der Spieler für das Jahr 2025 mit 1.04 Milliarden Euro einen neuen Spitzenwert.
Maßnahmenpaket im Wert von 300 Mio. Euro
- Angesichts des weltweiten Ölpreisanstiegs sollen negative Auswirkungen auf Warenverkehr, Lieferketten und landwirtschaftliche Produktion mit einer staatlichen Subvention von 16 Cent/Liter Diesel verringert werden, was inklusive Mehrwertsteuer eine Ersparnis im Verbraucherpreis von 20 Cent/Liter Diesel bedeutet.
- Eine digitale Tankguthabenkarte, Fuel Pass genannt, soll die Mehrbelastung privater Haushalte durch die hohen Kraftstoffpreise abfedern. Auf einem ab 6. April 2026 online einzureichenden Antrag über vouchers.gov.gr werden zweimonatlich bis zu 60 Euro über die Tankkarte bereitgestellt, die an Tankstellen und in öffentlichen Verkehrsmitteln eingesetzt werden kann. Den vollen Betrag erhalten Autofahrer der Inseln, die die digitale Version des Tankguthabens nutzen. Abschläge gibt es für Festlandgriechen (-10€) sowie Motorradfahrer (-30€). Antragsberechtigt sind natürliche Personen und Freiberufler mit steuerlichem Wohnsitz in Griechenland, deren Jahreseinkommen nicht über 25.000 Euro liegt (35.000€ für Ehepaare, 39.000€ für Alleinerziehende. Einkommensgrenzen erhöhen sich um 5.000€ für jedes weitere Kind).
- Landwirte werden angesichts ebenfalls gestiegener Düngemittelpreise mit 15% ihrer nachgewiesenen Ausgaben für Dünger subventioniert.
- Die für den Inselstaat Griechenland so wichtige Fährschifffahrt soll angesichts der hohen Treibstoffpreise mit einer Sondervergütung für Küstenschifffahrtsunternehmen gestützt werden, die obligatorisch an Ticketrabatte gekoppelt sein wird, um die Ticketpreise für Fährüberfahrten auf dem (allerdings bereits recht hohen) Niveau des Vorjahres halten zu können.
Auch bei Taxifahrten soll die digitale Tankguthabenkarte für berechtigte Griechen einsetzbar sein ©Kretaplan
Nur ein Tropfen Öl auf den heißen Stein..?
Profitieren werden von den ersten beiden angekündigten Direktmaßnahmen wohl nicht nur doppelt die zahlreichen Besitzer von dieseltankenden schweren Pickups, die in weiten Teilen Griechenlands noch das Straßenbild bestimmen, sondern eben auch die Ölgesellschaften, an deren Umsätze die Maßnahmen gebunden sind. Auch ist durchaus fraglich, wie die Weitergabe der Vergünstigungen an Tankstellen, in der Landwirtschaft und dem Transportwesen praktisch funktioniert und es keine teuren Geschenke an die Unternehmen werden, die die Preisreduktionen vielleicht gar nicht an die Endverbraucher weitergeben? Hier sei an die Mehrwertsteuersenkung fürs deutsche Gastgewerbe in der Coronapandemie erinnert.
Vielleicht wäre es ja doch zukunftsweisender und tatsächlich nachhaltiger, Elektroautos nicht nur passiv aus der KfZ-Steuer auszunehmen – reine Elektrofahrzeuge und Hybride werden auf Grund der Besteuerung über die Menge des Schadstoffausstoßes taxiert und sind somit von KfZ- und Luxussteuer ausgenommen – sondern aktiv zu fördern. Denn mittlerweile haben viele Griechen etwas Solar auf dem Dach, nur die Raffinerie im Vorgarten fehlt eben. Bleibt festzuhalten, dass auf Grund des moderaten Anstiegs der Tankstellenpreise bislang eher überschaubare Auswirkungen auf die griechischen Haushalte zu verzeichnen waren, angesichts der verbrecherischen Planlosigkeit der angreifenden Kriegsparteien im Nahen Osten allerdings kein Ende des Krieges abzusehen ist und somit mit einer potenziell langfristigeren Energiekrise zu rechnen sein wird. Vorsorglich sprach der griechische Ministerpräsident bei seiner Ankündigung auch davon, "für den Fall einer deutlichen Verschlechterung der globalen Wirtschaftslage Reserven bereit zu halten." Immer im Rahmen der Haushaltsmöglichkeiten natürlich.
Weiterführende Links:
- Handelsblatt: Verschiedene Steuersenkungen auf griechische Einkommen, Grundbesitz und Mehrwertsteuer geplant
- Kretaplan: Läuft doch! Gute Nachrichten aus Griechenland
- Creta Times: Premier Mitsotakis verkündet Sofortmaßnahmen gegen Ölpreisschock
- Kretaplan: Neuigkeiten zu privaten Finanzen 2025 in Griechenland
- ERTnews: Einzelheiten zum Antrag auf eine Tankguthabenkarte (Fuel Pass)
- Nützliche Tipps zur Verkehrssicherheit und Bußgeldern auf Kreta
- !!! Neue Betrugsmasche mit Antragsstellern der griechischen FuelPass-Vergünstigung !!!
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